Noch fünf Schnitzeltage

Ok, jetzt aber wirklich. Nach vier Monaten auf dem Schiff wird es Zeit, hier mal ein paar Eindrücke aufzuschreiben.

 

Das Problem ist bzw. war bisher nicht unbedingt die fehlende Zeit dafür, sondern vielmehr, dass man die wenige freie Zeit auf dem Schiff früher oder später doch damit verbringt zu schlafen, wann immer es möglich ist. Freie Tage oder Wochenende gibt es schließlich nicht. Daran habe ich mich zwar schnell gewöhnt, allerdings merkt man nach mehreren Monaten doch irgendwann, dass das schlaucht.

 

Ansonsten bin ich immer noch der Meinung, dass wir als Film- und Fototeam einen der besten Jobs (hach, Musiker müsste man sein …) an Bord haben. Schließlich begleiten wir in jedem Hafen die Ausflüge für die Gäste und sehen so wirklich immer etwas von der Stadt bzw. der Umgebung. Klar, die Ausflüge sind teilweise auch anstrengend – vor allem, wenn man jeden Tag bei 30 Grad Kamera und Stativ drei Stunden durch die Stadt schleppen muss. Falls aber nach den Ausflügen noch freie Zeit bleibt, muss man die immerhin nicht mehr mit Sightseeing verbringen.

So hat man mehr Zeit, mal shoppen, lecker essen oder an den Strand zu gehen und/oder nach einem Wifi-Hotspot zu suchen. Denn daran erkennt man die Schiffscrew schon von Weitem (auch ohne Uniform): der Großteil sitzt in der Pause in einem Café/Restaurant in Hafennähe mit dem Smartphone in der Hand. Gespräche gibt es dann nicht, schließlich ist der Internetzugang wichtiger und zum Reden hat man auf dem Schiff sowieso noch genug Zeit. Schließlich sieht man wirklich jeden Tag die gleichen Leute. Das heißt zum einen, dass man sich relativ gut kennen lernt (wenn man das denn möchte), zum anderen aber auch, dass man sich nicht einfach aus dem Weg gehen kann, wenn einem mal danach ist.


Das trifft übrigens auch auf die sieben Quadratmeter zu, die man sich mit jemandem teilt. Auch daran habe ich mich schnell gewöhnt, allerdings freue ich mich jetzt umso mehr auf meine eigene Wohnung, in der ich nicht im Doppelstockbett schlafen muss und nicht beim Duschen auf einem halben Quadratmeter vom Duschvorhang angegriffen werde.

Ganz besonders freue ich mich nach fünf Monaten Schiff aber auch darauf, wieder selbst einkaufen und kochen zu können und mich damit nicht nur zwischen Nudeln und Reis mit einer ungewürzten Beilage entscheiden zu müssen.

 

Doch neben all den Dingen, die auf dem Schiff – entweder von Anfang an oder spätestens nach mehreren Monaten – nerven, gibt es natürlich auch viele schöne Momente, die man neben der Arbeit erlebt; sei es das erste Auslaufen, Overnights in coolen Städten oder Nächte auf dem Crewdeck. Und das sind nur einige Beispiele. Außerdem habe ich viele richtig schöne Städte gesehen, in denen ich defintiv nochmal Urlaub machen möchte.

 

Auf jeden Fall kann ich jetzt aber nachvollziehen, warum viele schon fast süchtig nach dem Leben (und Arbeiten) auf dem Schiff sind. Ob ich selbst noch einen zweiten Vertrag fahren werde, entscheide ich in Ruhe, wenn ich wieder zuhause bin. In 33 Tagen bzw. 5 Schnitzeltagen. Dann hat mich die Realität wieder.


So long!

 

P.S. Fotos folgen, wenn ich wieder in Deutschland bin und nicht mehr 800 Leute auf das selbe Wlan-Netzwerk zugreifen.

 

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Juliane Horn

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